Burnout ein Produkt der modernen Arbeitswelt
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Die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren in der Psyche: Bei einem Pressegespräch zum Thema „Burnout in Zeiten der Krise“ berichtete AK-Präsident Walter Rotschädl von einem krisenbedingten schlechteren Betriebsklima. Zwei Experten stellten einen objektiven Test zur schnellen Diagnose einer Burnoutneigung vor.
Für den Präsidenten der steirischen Arbeiterkammer, Walter Rotschädl, muss „alles daran gesetzt werden, Burnout als Produkt der modernen Arbeitswelt zu erkennen und Strategien zu entwickeln, das Problem in den Griff zu bekommen“. Die steirische AK habe das Problem jedenfalls rechtzeitig erkannt und vor rund einem Jahr als erste österreichische Arbeiterkammer eine Burnout-Beratung eingeführt.
Betriebliche Gesundheitsförderung forcieren
Mit Beratung allein werde es aber nicht getan sein, appelliert der AK-Präsident vor allem an die Unternehmen, der betrieblichen Gesundheitsförderung mehr Stellenwert einzuräumen: „Einer Umfrage zufolge geben nicht einmal 30% Prozent der Beschäftigten an, dass in ihrem Betrieb Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung existieren.“ Dass die aktuelle Wirtschaftskrise zu einem weiteren Ansteigen psychischer Belastungen führen wird, ist für Rotschädl anhand der Daten einer weiteren AK-Untersuchung nachvollziehbar: „Die Hälfte der befragten ArbeitnehmerInnen hat angegeben, dass sich das Betriebsklima durch die Krise verschlechtert hat.“
Wirtschaftskrise wird zur Psychokrise
Die Wirtschaftskrise wirkt sich bereits ganz enorm auf die Psyche aus: Rund ein Drittel aller US-Amerikaner schläft wegen der aus den Fugen geratenen Finanzen schlechter als früher. Ähnliches gilt auch schon für Österreich. Univ.-Prof. Manfred Walzl (Foto: rechts), Leiter der Schlafmedizin an der Landesnervenklinik Graz: „Wir beobachten seit einigen Monaten eine deutliche Zunahme an Fällen von Schlafstörungen und Burnout.“ Vor allem Mitarbeiter in der Auto- und Metallindustrie, aber auch Angestellte im Bankenbereich seien ganz besonders betroffen.
Die Sorge um den Zustand der Wirtschaft und die Angst um den eigenen Job lassen in erster Linie die Durchschlafstörungen stark ansteigen, berichtet Walzl aus der Praxis: „Über 40% von Mitarbeitern in Büros berichten schon von einer so genannten „Sonntagnacht“, einer Nacht eben, die keinen Schlaf bringt, weil man sich schon um die kommende Woche sorgt.“
Walzl verweist auf den enormen volkswirtschaftlichen Schaden durch die von den Schlafstörungen hervorgerufene Müdigkeit am Arbeitsplatz: „Nach seriösen Schätzungen gehen allein in Österreich pro Jahr vier Milliarden Euro durch Müdigkeit am Arbeitsplatz verloren, weltweit spricht man von 400 Milliarden Euro.“
Als Konsequenz fordert der Burnout-Spezialist mehr Vorsorge: „Wir werden uns Strategien einfallen lassen müssen, um die aus der Wirtschaftskrise kommende Krise der Psyche besser beherrschen zu können. Unternehmer und Mitarbeiter sind dabei ebenso gefordert wie die Wissenschaft.“
Erschöpfung im Blut messbar
Um Burnout objektiv feststellen zu können, entwickelte Walzl gemeinsam mit dem Endokrinologen und Stressforscher Univ.-Prof. Sepp Porta (2.v.r.) einen entsprechenden Test. „Weil jede psychische Erregung und die – bei chronischem Leiden –daraus entstehende Erschöpfung auch den Stoffwechsel beeinträchtigt, kann man Erregung und Erschöpfung im Blut messen. Das betrifft vor allem auch das Burnout-Syndrom“, erläutert Porta die Parameter für den Burnout-Objektivierungstest (BOOT). Der Test beinhaltet eine Kombination mit der Pupillometrie (objektive Feststellung von Schläfrigkeit), so dass eine präzise Diagnostik erfolgen kann.
Im Burnout kann der Organismus wegen erschöpfter Reserven auf einer Herausforderung nur mehr schlecht reagieren. Porta über die Hintergründe des Tests: „Weil unter Stress immer eine Reaktion auf Druck verstanden wird, haben Burnout-Patienten, denen diese Reaktion fehlt, logischerweise zu wenig Stress“.
Aus den Datenbanken von mittlerweile 2.000 untersuchten Personen geht hervor, dass eine Burnoutneigung sich schon früh durch verminderte Stoffwechselreserven und eine ebenso verminderte Reaktionsfähigkeit ankündigt. Solche verminderte Reserven waren bei nahezu jedem Zweiten der Untersuchten feststellbar. Der Test selbst ist einfach: „Zwei Tropfen Blut aus der Fingerspitze genügen, um in nur zwei Minuten eine objektive und umfassende Bestimmung möglich zu machen.
Schwerpunkt Prävention
Erst- und Intensivberatungen, 76 öffentliche Veranstaltungen in Form von Seminaren und Vorträgen, an denen rund 2.750 ArbeitnehmerInnen teilgenommen haben: Das ist die Bilanz der AK-Burnoutberatung, die vor rund einem Jahr ihre Tätigkeit aufgenommen hat. „Viele der Menschen, die bei uns Hilfe gesucht haben, wussten von ihren Problemen. Aber bis zu einem gewissen Grad waren sie nicht bereit, zu reagieren, da sie Angst vor den Folgen hatte. Die Menschen haben Angst, dass sie ihren Lebensstandard nicht mehr halten können, dass ihre Karrieren beendet sind“, zieht AK-Berater Gerhard Plank (Foto: links) seine persönliche Bilanz.
Steigendes Interesse an Beratung
Den Schwerpunkt seiner Beratungstätigkeit sieht Plank in der Prävention, da man Burnout nicht aussitzen könne: „Wir wollen Betriebsräte, Sicherheitsvertrauenspersonen und Sicherheitskräfte als Partner gewinnen.“ Die vermehrte Nachfrage lässt auch Plank auf die Auswirkungen der Wirtschaftskrise schließen: Für das erste Halbjahr 2009 wurden bereits 57 Seminare gebucht, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 19 Seminare.
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