Bildungsabbruch produziert Hilfsarbeiter
„Bildungsabbruch produziert Hilfsarbeiter“, ist das Ergebnis einer von der Arbeiterkammer in Auftrag gegebenen Dropout-Studie. AK-Präsident Walter Rotschädl fordert daher eine „umfassende Schulreform“.
Jeder zehnte Jugendliche hat nur einen Pflichtschulabschluss. Das heißt, dass allein in der Steiermark rund 10.000 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren eine weiterführende Schule bzw. ihre Lehre abgebrochen haben oder nach der Pflichtschule erst gar keine Ausbildung in Angriff genommen haben. Im Auftrag der AK hat das Grazer Meinungsforschungsinstitut bmm 138 Betroffene (96 Schul-, 42 Lehrabbrecher) über die Gründe des Ausstiegs aus der Bildungslaufbahn ebenso befragt wie über ihre derzeitige Berufstätigkeit, ihre zukünftigen Pläne und die Reaktionen des Umfeldes.
40 Prozent ohne Plan
Demnach waren nur 56,8 % der Dropouts berufstätig, mehr als zwei Drittel davon (konkret 68,8 Prozent) in Hilfsjobs. Im sozialen Umfeld der Dropouts stellt bmm-Geschäftsführerin Mag. Claudia Brandstätter eine „dramatische Veränderung“ fest: „Ein Viertel der Befragten haben seit dem Bildungsabbruch keinen Kontakt mehr zu früheren Freunden. 41 Prozent haben dafür neue Freunde gewonnen – allerdings sind acht von zehn dieser neuen Freunde selbst Bildungsabbrecher.“
Die Schulabbrecher sagen übrigens wegen unfairer Lehrer, Desinteresse oder Sitzenbleibens der Schule ade, bei den Lehrabbrechern werden neben Desinteresse falsche Berufswahl, Konflikte mit Ausbildern oder ein allgemein als „schlecht“ angesehener Lehrplatz als Motive für den Ausstieg angeführt. Da Dropouts häufig von ihren Eltern bzw. Ausbildern und Kollegen allein gelassen werden, haben 40 Prozent der befragten Bildungsabbrecher buchstäblich keinen Plan für ihre weitere Zukunft. (Details in der Infobox)
Gemeinsame Schule und Kurssystem
Für den AK-Präsidenten untermauert das Ergebnis der Dropout-Studie die Notwendigkeit einer umfassenden Schulreform: „Mit dem Modellversuch zur gemeinsamen Schule der 10 bis 14jährigen wurde ein erster Schritt gesetzt. Weiter müssen folgen.“ Dazu zählt für Walter Rotschädl:
- Ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle, um etwaige Defizite rechtzeitig zu erkennen.
- Die flächendeckende Einführung der gemeinsamen Schule der 10 bis 14jährigen, um „falsche Schullaufbahnen“ zu dezimieren.
- die Einführung eines Kurssystems statt des pädagogisch unnötigen Sitzenbleibens, um „Frust-Aussteiger“ zu verhindern.
- Eignungs-Tests für Lehrer, um zu verhindern, dass frustrierte Lehrer frustrierte Dropouts produzieren. Zusätzlich fordert der AK-Präsident eine professionelle Beratung für Schul-Dropouts durch den Landesschulrat.
Berufsorientierung verbessern
Bei den Lehrabbrechern setzt der AK-Präsident große Hoffnungen in das Jugendbeschäftigungspaket, das in Kürze beschlossen werden soll. Dieses Paket sieht unter anderem eine Beschäftigungsgarantie für Jugendliche vor, so dass auch das Dropout-Problem entschärft werden sollte. Die falsche Berufswahl hänge wiederum eng mit der Schule zusammen: Erstens durch die frühe Trennung in AHS- und Hauptschüler und vor allem durch die mehr als ausbaufähige Berufsorientierung in den Unterstufen.
-
|
Mehr
Hans-Resel-Gasse 8-14
8020 Graz
Tel: 05 7799 0
Fax: 05 7799 2387
E-Mail-Anfrage
Kontakt- & Beratungszeiten
Außenstellen
zur Bezirksstellenübersicht

