Ein Monatseinkommen für die Schule
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Die "kostenlose" Schule ist für die Eltern teuer: Ein Haushalt mit Schulkindern gibt pro Schuljahr 1.330 Euro für Schreibwaren, Werkgeld und Schulveranstaltungen aus, also ein durchschnittliches Netto-Monatseinkommen, wobei Nachhilfekosten noch gar nicht enthalten sind.
Der sogenannte „Ernst des Lebens“ stellt vor allem einkommensschwache Familien vor große finanzielle Probleme. Einer Umfrage des Grazer Meinungsforschungsinstituts bmm zufolge geben Haushalte mit Schulkindern pro Schuljahr im Durchschnitt 1.330 Euro für Posten wie Bekleidung, Schreibwaren/Heft, Werkgeld, Schulveranstaltungen, Mobilitätskosten und Infrastruktur- bzw. EDV-Kosten aus. Fast die Hälfte davon, nämlich 623 Euro pro Haushalt, fallen zum Schulbeginn an. (Details in der Infobox)
Kein Wunder, dass für einen Großteil der Befragten gerade der Schulbeginn Anlass für viele Eltern ist, bei sich selbst zu sparen, erläutert bmm-Geschäftsführerin Mag. Claudia Brandstätter: „70,8% der Befragten müssen aufgrund des Schulanfanges sparsamer mit ihrem Geld umgehen. Gespart wird beim Ausgehen, bei der eigenen Bekleidung sowie bei den Freizeitaktivitäten.“ Ebenfalls mehr als 79% verbinden mit dem Schulbeginn negative Gedanken, die nicht nur mit den zu erwartenden Kosten zu tun haben müssen.
Belastende Schulveranstaltungen und großzügige Omas
+ Die geschätzten Gesamtausgaben pro Kind und Schuljahr liegen zwischen 555 Euro (4. Schulstufe) und 1.302 Euro (ab der 10. Schulstufe).
+ Mehr als die Hälfte der Befragten (54,8%) rechnet damit, dass die Ausgaben im nun beginnenden Schuljahr höher sein werden als im Vorjahr.
+ Mit einem Kostensprung rechnen 81,3% jener Eltern, deren Kinder vor der 9. Schulstufe stehen. Grund dafür ist die Tatsache, dass viele SchülerInnen nach der Unterstufe die Schule wechseln.
+ Ein eigenes Kapitel sind die schulbezogenen Veranstaltungen wie Ausflüge, Sportwochen oder Sprachwochen, die in der wertmäßigen „Hitliste“ mit durchschnittlich 504 Euro zu Buche schlagen, wobei Höchstwerte bis zu 1.500 Euro genannt wurden: 75,4% der Befragten wird eine solche angeboten, 90% gaben an, dass ihre Kinder auch daran teilnehmen werden, obwohl das für 72% eine (große) Belastung des Haushaltsbudgets darstellt.
+ Finanzielle Unterstützung von Behörden bekommen nur knapp 6%. Großzügiger sind da schon Omas und Opas: Aus dem familiären Umfeld werden fast 28% unterstützt.
+ Nicht nur finanziell sind die Eltern durch das System Schule gefordert: Mehr als 70% geben an, ihren Kindern regelmäßig oder zumindest vor Prüfungen helfen zu müssen.
AK-Kostenlawine eindämmen
Für den Präsidenten der steirischen Arbeiterkammer, Walter Rotschädl, sind die Ergebnisse der Umfrage Anlass, über Maßnahme nachzudenken, die in der Lage sind, die Kostenlawine in der Schule einzudämmen bzw. die Unterstützung einkommensschwacher Familien zu verbessern.
+ Stichwort Schulveranstaltungen: Hier fordert Rotschädl eine Evaluierung der Sprachwochen hinsichtlich ihrer Kosten/Nutzen-Rechnung seitens des Landesschulrats: „Sprachwochen an sich sind gut und wichtig. In unserer Schulberatung wird uns aber immer wieder berichtet, dass die Kosten in keiner Relation zum tatsächlichen Spracherwerb stehen.“ Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, die Kosten gering zu halten und Luxusdestinationen zu meiden. Das gelte auch für Sportwochen. So genannte „Kennenlernwochen“ sind grundsätzlich zu hinterfragen.
+ Stichwort Schulbeihilfen: Das System kranke daran, dass weder die Höhe der Beihilfe selbst noch die Einkommensgrenzen laufend valorisiert werden. Die Folge ist, dass viele bei schon geringen Einkommenszuwächsen nicht mehr anspruchsberechtigt sind, fordert Rotschädl eine jährliche Anpassung. Schulbeihilfe nicht erst ab der 10., sondern ab der 9. Schulstufe ist eine weitere Forderung der AK. Die Vergabe der Beihilfen sollte nur nach sozialen Kriterien erfolgen und nicht wie derzeit auch vom Notenschnitt abhängig sein. Rotschädl: „Wie gravierend das Problem ist, zeigt die Tatsache, dass unseren Bildungsexperten Fälle bekannt sind, wo sich die Eltern die Kosten für Schulveranstaltungen buchstäblich vom Mund absparen müssen.“
+ Stichwort Schulutensilien: Hier könne man den Eltern nur den Rat geben, intensiv Preise zu vergleichen (siehe Preisvergleich von 29 Schulprodukten in der Infobox).
Zu einer Eindämmung der Kostenlawine zählt für Rotschädl außerdem ein Ende des „Nachhilfe-Wahnsinns“, dessen Kosten die AK schon in einer früheren Erhebung abfragen hatte lassen und die daher in diesen Zahlen gar nicht enthalten sind: „Hier müssen die Weichen für eine Ganztagesschule gestellt werden. Bis zur flächendeckenden Umsetzung müssen die Schulen zu einem Gratis-Förderunterricht verpflichtet werden. Nachmittagsbetreuung alleine ist zu wenig.“
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