Entschleunigt das Arbeitsleben!

„Für eine Entschleunigung des Arbeitslebens“ plädierte ein Stiftingtaler Gespräch zum Thema „Psychische Erkrankungen in der digitalen Arbeitswelt“.

„Wir beobachten eine enorme Verdichtung des Arbeitspensums in vielen Branchen“, wies eingangs AK-Präsident Walter Rotschädl auf die Schattenseiten der modernen Arbeitswelt hin. „Wenn wir später in Pension gehen sollen, werden wir ein bisschen vom Gas gehen müssen, damit wir nicht mit Vollgas an die Wand fahren.“

Schlafmangel hat fatale Folgen

„Koma-SMSen“ und Internetsucht rauben bereits Kindern den Schlaf: Jeder dritte Österreicher leidet an Schlafstörungen, erklärte der Grazer Neurologe und Schlafforscher Univ.-Prof. Dr. Manfred Walzl. „Wir schlafen im Schnitt nur 6,2 Stunden.“ Denk ich an Montag in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht, heißt das „Sonntag Nacht“-Schreckgespenst für viele Mitarbeiter im mittleren Management: Sie können von Sonntag auf Montag nicht mehr durchschlafen, wälzen sich ruhelos im Bett und die Gedanken kreisen rund um Beruf, Projekte, Besprechung, Termin. Die Folge: zu wenig Schlaf, starke Tagesmüdigkeit und ein erheblicher Verlust der Leistungsfähigkeit.

Wunden der Seele

„Wir schreiben in Österreich zurzeit mehr als sieben Milliarden (!) SMS pro Jahr – und haben dabei ganz offensichtlich das Miteinanderreden verlernt“, kritisierte Walzl. Jeder dritte Mitarbeiter in Betrieben fühlt sich durch die e-Mail-Flut erheblich gestört. Als Folge nehmen Stress, Unzufriedenheit und psychische Belastungen zu. „Die Seele ist heute mehr verwundet als die Wirbelsäule.“ Die Zahl der Krankenstände aufgrund psychischer Ursachen habe sich in der Steiermark in vergangenen drei Jahren verdoppelt.
Daher plädiert der Wissenschafter für die richtige Dosis im Technikkonsum. Eine Rückbesinnung auf das Zwischenmenschliche ist nötiger denn je, „sonst droht die vollständige elektronische Isolierung“. Als Gebote gegen die digitale Hektik empfiehlt der Neurologe, sich kurze Auszeiten und Entspannungspausen im Betrieb zu gönnen, das Handy vorübergehend auszuschalten, ein paar Mal kräftig durchzuatmen und „sich selbst belohnen, wenn es der Chef nicht tut“.

Mehr Kurzpausen und Ruhezonen

In der von Mag. Claudia Gigler geleiteten Diskussion plädierte der AK-Bereichsleiter Soziales, DDr. Werner Anzenberger, für ein Bündel an sozialpolitischen Maßnahmen, um die Menschen länger im Beruf halten zu können. „Wir brauchen mehr Kurzpausen und Ruhezonen und einen Rechtsanspruch auf Sabbaticals, um aus dem Trott herauszukommen.“

Überstunden und Rufbereitschaft verteuern

Außerdem müsse die ständige Mehrbelastung durch eine Verteuerung der Überstunden und Rufbereitschaft eingedämmt werden. Weiters sei ein Rechtsanspruch auf Bildungskarenz, die dem Burnout entgegenwirken könne, wünschenswert. Da seit den 80er-Jahren der Urlaubsanspruch nicht mehr verändert wurde, sollte man den Urlaub erhöhen. „Wir brauchen eine Entschleunigung des Arbeitslebens statt einer ständigen Beschleunigung.“

Video - Mit Vollgas an die Wand

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Univ.-Prof. Dr. Manfred Walzl, AK-Präsident Walter Rotschädl und DDr. Werner Anzenberger beim
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