Es lässt sich etwas verändern
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Der „Aufdecker“ lässt niemanden kalt: Knapp 500 Zuhörer lauschten dem Auftritt des prominenten Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff im Grazer Kammersaal (im Bild mit AK-Präsident Walter Rotschädl).
„Als abnorme Persönlichkeit, für Krieg und Frieden untauglich“, wurde Wallraff aus der deutschen Bundeswehr vorzeitig entlassen. Fortan war er tauglich für einen jahrzehntelang geführten Kampf gegen Missstände und soziale Ungerechtigkeiten, der ihn von „Ganz unten“ in der Arbeitswelt, wie sein Millionen-Bestseller heißt, in immer schrägere Verkleidungsrollen brachte.
Der Kreis schließt sich, wie das Gespräch vor seiner eindrucksvollen Lesestunde in Graz zeigte: „Ich bin jetzt zu den Anfängen zurückgekehrt, weil die Verhältnisse förmlich danach schreien“. Jahrelang sei er davon ausgegangen, dass sich die Gesellschaft zum Besseren entwickle. „Es befindet sich aber Etliches im freien Fall.“ Der „Casinokapitalismus“ laufe weiter, Politiker agieren als Handlanger von anderen Interessen, meint er ungeschminkt.
Suche nach Wahrheit
Seine Methode diene der Wahrheitsfindung, erklärt der 67 Jahre alte Kölner Autor. „Ich brauche nichts vom Hörensagen erfahren, sondern will es unmittelbar wissen“, wieso er Erkenntnisse als Obdachloser, Callcenter-Mitarbeiter oder Niedriglöhner einer Bäckerei sammelt. Damit seine Aufdeckmethode weitere Kreise ziehen kann, finanziert er mit einem Stipendium die Recherchearbeit von Jungjournalisten.
Nach Auszügen aus seinen Erfahrungen als schwarzer Immigrant (auf der erfolglosen Suche nach einem Gartenhäuschen oder Campingstellplatz) meinte er in der Diskussionsrunde, die nachhaltigen Wirkungen entschädigten für seine Extratouren: „Meine ganze Arbeit zielt darauf, dass sich etwas verändern lässt.“ Dafür müsse man einfach Solidarität wieder lernen, forderte Wallraff zu mehr Zivilcourage und sozialer Empathie auf.
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