Arbeitswelt muss gesünder werden

„Gesundheitsförderung in den Betrieben ist die beste Pensionsreform“, erklärte AK-Präsident Walter Rotschädl beim Symposium zum Thema „Arbeiten bis zum Umfallen?“ im Grazer Kammersaal. Hochrangige ExpertInnen wiesen dabei auf die Zusammenhänge von Arbeitsbelastungen und Krankenstände und Invalidität hin.

Jährlich sind in Österreich rund 30.000 Menschen aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, eine Invaliditäts- bzw. Erwerbsunfähigkeitspension in Anspruch zu nehmen. „Für die Finanzierung des Pensionssystems ist die Erhöhung des Pensionsantrittsalters die Zauberformel. Bereinigt man die Pensionsantritte um die Invaliditätspensionen, liegt das Antrittsalter bei Männern schon jetzt bei 62,5, bei Frauen bei 59,3 Jahren“, sieht AK-Präsident Walter Rotschädl einen klaren Auftrag an die Politik, die Voraussetzungen für eine bessere Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz zu schaffen.

Frühmaßnahmen wünschenswert

Der Ansatz des Sozialministers, dass „Rehabilitation vor Invaliditätspension“ gehen soll, sei richtig, so Rotschädl: „Durch gesundheitsfördernde Maßnahmen muss aber bereits viel früher angesetzt werden.“ Vor dem Hintergrund, dass für die überwiegende Mehrheit der ArbeitnehmerInnen betriebliche Gesundheitsförderung nach wie vor ein Fremdwort ist, seien gesetzliche Maßnahmen unumgänglich: „Gesundheitsförderung ist die beste Pensionsreform.“

Ein zweiter Aspekt der Gesundheitsförderung sei, es den Arbeitnehmern zu ermöglichen, länger im Arbeitsprozess zu verbleiben, wie es von allen Seiten gefordert werde. In diesem Zusammenhang verweist der AK-Präsident darauf, dass nur zwei Drittel der Alterspensionisten ihre Pension aus einem aufrechten Dienstverhältnis heraus antreten: „Einerseits die Erhöhung des Pensionsantrittsalters zu fordern, andererseits ältere Mitarbeiter aus dem Arbeitsprozess drängen, passt nicht zusammen“, kritisiert der AK-Präsident die Arbeitgeberseite.

Alternsgerechte Arbeitsplätze

„Den Arbeitsplatz alternsgerecht zu gestalten, sodass wir länger arbeiten können“, ist das Hauptziel für Univ.-Prof. Dr. Gudrun Biffl, die in einer Studie nachwies, dass berufliche Belastungen einen großen Einfluss auf vorzeitige Pensionierungen haben. 33 Prozent aller Frühpensionierungen sind demnach auf Muskel-Skelett-Erkrankungen, 13 Prozent auf Kreislauferkrankungen zurückzuführen. Als Hauptfaktoren hat sie körperlich schwere Arbeit und Vibrationen herausgefiltert, für psychische Erkrankungen (27 Prozent der Frühpensionierungen) sei der geringe Handlungsspielraum bei der Arbeit verantwortlich.(Referatsunterlage in der Infobox)

„In Österreich sind Arbeitstempo und Zeitdruck stärker ausgeprägt als im EU-Schnitt.“ Seit 2006 steigen wieder die Krankenstände (auf 12,6 Tage im Vorjahr). Physische Belastungsfaktoren verursachen ein Viertel aller Krankenstände, Pflegepersonal und Bergleute sind einem hohen Risiko der Erwerbsunfähigkeit ausgesetzt. Auch unter Akademikerinnen, wie den Lehrern, sei die Krankenstandsquote bemerkenswert hoch, meinte Biffl. Dass hierzulande noch keine Ganztagsschule eingeführt ist, sei „sehr nachlässig“, führte Biffl bei einer Pressekonferenz aus: „Österreich ist im Bereich des Bildungssystems unregierbar geworden.“

Jeden Arbeitsplatz untersuchen

Arbeitsmediziner Dr. Georg Wultsch diagnostizierte eine Zunahme der psychosomatischen Beschwerden, aber auch die körperlichen Belastungen dürften nicht vernachlässigt werden. Noch immer seien ergonomisch ungünstige, ja sogar schädliche Anordnungen von Arbeitsmitteln oder Einwirkungen von gefährlichen Arbeitsmitteln anzutreffen. Der Arbeitsmediziner fordert eine individuelle Analyse der Belastungen jedes Arbeitplatzes ein.

Ausgeschlafen zur Arbeit

Für den Schlafforscher Univ.-Prof. Manfred Walzl ist ausreichend Schlaf eine Voraussetzung, um im modernen Arbeitsleben bestehen zu können. Wer nachts nur vier Stunden geschlafen hat, reagiere so, als ob er 0,5 Promille Alkohol im Blut hätte. Eine durchwachte Nacht erhöhe den Wert auf 0,8 Promille.

Bei Schicht- und Turnusdienst müsse der Körper ständig gegen die innere Uhr ankämpfen. Die kurzfristigen Folgen sind Schlafstörungen, Reizbarkeit und Leistungsschwächen. Langfristig können sich chronische Leiden wie Magen- und Darmbeschwerden und Herz- und Kreislauferkrankungen entwickeln, warnt der Forscher.

Win-win-Situation

Schließlich stellt für Mag. Sabrina Kucera vom Fonds Gesundes Österreich die Gesundheitsförderung im Betrieb eine Win-win-Situation her: „Arbeitgeber erhöhen die Produktivität durch Verminderung teurer Fehlzeiten, die Beschäftigten profitieren durch eine bessere Gesundheit.“ Der Fonds bietet inhaltliche Hilfe und fördert Pilotprojekte zur Einführung betrieblicher Gesundheitsförderung.

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Für gesündere Arbeitsplätze: AK-Präsident Walter Rotschädl mit (v. l.) Dr. Georg Wultsch, Mag. Sabrina Kucera, Univ.-Prof. Dr.Gudrun Biffl und Univ.-Prof. Dr. Manfred Walzl.
Für gesündere Arbeitsplätze: AK-Präsident Walter Rotschädl mit (v. l.) Dr. Georg Wultsch, Mag. Sabrina Kucera, Univ.-Prof. Dr.Gudrun Biffl und Univ.-Prof. Dr. Manfred Walzl.
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