Lehrstück gegen Fremdenfeindlichkeit
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Betroffen, erschüttert, empört: Der Film „Schwarz auf Weiß“ von Günter Wallraff über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ließ kaum einen der 4.500 steirischen Lehrlinge kalt, die auf Einladung der Arbeiterkammer und des Landesschulrates in die Grazer Messehalle gekommen waren.
„Ich würde einschreiten“, empörte sich ein Lehrling, nachdem er die vielfältigen Diskriminierungen gesehen hatte, die einem Schwarzen tagtäglich passieren. Er und 4.500 weitere Jugendliche waren auf Einladung der Arbeiterkammer und des Landesschulrates und mit finanzieller Unterstützung des Jugendressorts des Landes Steiermark in die Grazer Messehalle gekommen, um den Film „Schwarz auf Weiß“ von Günter Wallraff zu sehen. Der Film zeigt den als Kwami Ogonno verkleideten Wallraff bei seiner Reise quer durch Deutschland: als Wohnungssuchenden, als Fußballfan, als Kneipengast, als Arbeitssuchenden, als Auskunft Suchenden bei Ämtern, als Besucher von Volksfesten … Und (fast) überall trifft er auf offene oder versteckte Feindseligkeit, auf Herablassung, auf Spott und auf Angst vor dem Fremden.
Betroffenheit
„Ja, genau so ist es“, musste nach dem Film Victor, ein Gymnasiast, betroffen zugeben. Auch er hätte solche Szenen schon beobachtet. Das Thema berühre ihn, denn er engagiere sich im Rahmen eines Projektes, das minderjährige Flüchtlinge durch den Alltag begleitet. Auch Johannes, ein Verkäuferlehrling, meinte, der Film zeige sehr gut wie Ausländer behandelt werden. Er habe in der Berufsschule viele ausländischen Kollegen und komme mit allen gut aus. Julia und Jasmin finden die Vorurteile der Inländer „schon sehr arg“. Beide Lehrlinge haben aus dem Ausland stammende Freunde, sogar „mehr als inländische“.
Ein Berufsschullehrer für politische Bildung versicherte, er werde den Schwung der Veranstaltung für die Nachbereitung in der Schule nutzen: „Für das Thema Vorurteile ist Interesse da, man muss aber bei der Lebensrealität der Jugendlichen ansetzen.“ Er hoffe, dass der Film zur Erweiterung des Horizonts beigetragen habe.
Politische Bildung
AK-Präsident Walter Rotschädl freute sich, dass die Arbeiterkammer einen Beitrag zur politischen Bildung leisten konnte: „Unsere jungen Mitglieder haben gerade in der Arbeitswelt immer wieder mit Menschen mit Migrationshintergrund zu tun. Der Wallraff-Film hat uns die Probleme dieser Menschen aus deren Perspektive gezeigt.“ Er hoffe, dass „wir alle in Zukunft einiges mit anderen Augen sehen“ werden. Jugendlandesrätin Elisabeth Grossmann bekannte, sie habe sich schon als Jugendliche mit Wallraffs kritischen Betrachtungen unserer Welt auseinandergesetzt: „Ich finde es sehr wichtig, den Jugendlichen von heute auf diese Weise ebenso neue Sichtweisen auf unsere Gesellschaft und unsere Heimat zu eröffnen.“
Zivilcourage
Wallraff, der zu der Filmvorführung angereist war, forderte in der Diskussion mit den Jugendlichen auf ungerechte Zustände zu kritisieren, sich bei Missständen einzumischen, sich zu organisieren und zu engagieren: „Um etwas zu ändern braucht es Zivilcourage im täglichen Leben. Ihr müsst es in die Hand nehmen“, sagte Wallraff zu den tausenden jungen Menschen, wenn es um üble Sprüche geht oder Übergriffe passieren.
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