Jede Siebente ist armutsgefährdet!
Rund jede siebente Österreicherin verfügt nur über ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle – und das beileibe nicht, weil Frauen weniger arbeiten als Männer! Die traditionelle Rollenverteilung in den Familien erweist sich für Frauen als Armutsfalle. Das AK-Frauenreferat informiert am 22. April zusammen mit der Gewerkschaft GPA-djp über geplante Verbesserungen durhc die Mindestsicherung (Einladung in der Infobox).
AK-Frauenreferentin Mag. Bernadette Pöcheim setzt sich daher vehement für die Einbindung der Männer in die Familienarbeit und den Ausbau qualitativ hochwertiger, bedarfsgerechter und dabei leistbarer Kinderbetreuungseinrichtungen ein. Außerdem sollten Frauen einen individuellen Anspruch auf Sozialleistungen wie die Notstandshilfe erwerben.
Armut ist weiblich: Fast jede siebente Österreicherin verfügt über ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle, aber nur jeder neunte Mann. Besonders stark betroffen sind Frauen unter 20 Jahren sowie jene über 65. Jede dritte Alleinerzieherin ist armutsgefährdet. Jede vierzehnte Frau lebt sogar in akuter Armut, aber nur jeder zwanzigste Mann. „Dazu kommt noch die versteckte Frauenarmut – denn bei den meisten Berechnungen wird das Familieneinkommen einfach durch die Anzahl der Köpfe dividiert. Nicht immer aber wird das Haushaltseinkommen geschlechtergerecht verteilt“, gibt Dr. Karin Heitzmann, Armutsforscherin an der Wiener Wirtschaftsuniversität, zu bedenken.
Unbezahlte Arbeit
Wenn also die EU das Jahr 2010 zum europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ausgerufen hat, sind vor allem Maßnahmen gegen Frauenarmut gefragt.
„Der Hauptgrund für die finanzielle Schlechterstellung der Frauen ist die Benachteiligung im Berufsleben“, betont AK-Frauenreferentin Mag. Bernadette Pöcheim. „Die resultiert aber nicht aus schlechterer Ausbildung oder mangelndem Fleiß, sondern daraus, dass Frauen noch immer den Löwenanteil der unbezahlten Arbeit leisten. Nach familienbedingten Berufspausen steigen sie oft in Teilzeit und in Jobs unter ihrer Qualifikation ein – da hilft es auch nicht, dass Frauen mittlerweile im Bereich der Ausbildung massiv aufgeholt haben.“
Problemzone Erwerbsleben
Was kann frau tun, um sich von Beginn an vor Armut zu schützen? „Auf jeden Fall eine gute Ausbildung machen und vor einer Babypause im Job Fuß fassen“, rät die AK-Frauenreferentin. „Jede Aktivität, um Väter mehr in die Familienarbeit einzubinden, lohnt sich! Und nicht zuletzt sollte frau nicht zu lange mit dem beruflichen Wiedereinstieg warten. Am zweiten Geburtstag des Kindes endet die arbeitsrechtliche Karenz. Spätestens dann sollten Mütter zumindest in Elternteilzeit wieder im Job sein“, so ihr Tipp.
Das geringe Erwerbseinkommen trifft die Frauen nämlich auch bei Sozialleistungen, die daraus berechnet werden: beim Arbeitslosengeld, der Notstandshilfe und bei der Pension. Notstandshilfe bekommt frau auch nur dann, wenn das Partnereinkommen nicht zu hoch ist. „Ein individueller Anspruch wäre sehr zu begrüßen“, so Pöcheim. „Aber auch wer aufgrund eines zu hohen Partnereinkommens keine Notstandshilfe beziehen kann, sollte darum ansuchen! So kann frau sich zumindest Pensionsmonate erwerben.“
Gesucht: Aktive Väter
Ein Drittel der Frauen hat nämlich gar keinen eigenen Pensionsanspruch. Diejenigen, die einen haben, bekommen im Schnitt nur halb soviel wie ein Mann. „Zu lange Berufspausen haben im Alter fatale Auswirkungen“, gibt die AK-Frauenreferentin zu bedenken. Damit aber auch Frauen mit (kleinen) Kindern arbeiten gehen können, müssen die Väter stärker in die Familienarbeit eingebunden werden. Ein Papamonat kann da ein Anfang sein – Elternteilzeit für beide wäre eine gute Fortsetzung.
Außerdem muss die Kinderbetreuung ausgebaut werden. „Hier gilt es, mit flexiblen und bedarfsorientierten Angeboten sowohl die Bedürfnisse der Kinder als auch die Arbeitszeitvorstellungen der Arbeitgeber unter einen Hut zu bringen – und das zu einem leistbaren Preis“, fordert Pöcheim.
Auch im Falle einer Trennung oder Scheidung ist die eigene Erwerbstätigkeit extrem wichtig: Denn selbst wenn frau Unterhalt bekommt, kann sie davon oft nicht leben. Wenn die Liebe zu Ende geht, rächt sich übrigens auch eine Bürgschaft für die Schulden des Mannes.
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