Jeder 10. Schüler ein Mobbingopfer

Jeder 10. Schüler mobbt oder wird gemobbt, schätzt der deutsche Psychotherapeut Dr. Hans-Steffen Fliegel: Bei einer AK-Diskussion wurden schulische Präventionsmaßnahmen vorgestellt.

„Mobben kann man mit einem Computerspiel vergleichen, bei dem man nichts riskiert“, beschreibt die Problematik aus Tätersicht, erklärte Fliegel in seinem Referat im Grazer Kammersaal. Mobbing komme in allen Altersstufen vor, wobei Buben eher direkt mobben, während sich Mädchen meist subtilerer Quälformen bedienen. „Wir handeln gemeinsam statt einsam“ sollte der Leitspruch gegen schulisches Mobbing sein, es sei ein Mythos, dass LehrerInnen nichts gegen das virulente Problem unternehmen könnten, das in Deutschland rund 200 Schüler in den Selbstmord treibe.

Unsoziales Verhalten tadeln

Die Lösungen für den Experten lauten: Hinschauen und Handeln, soziales Lernen lernen, Streitschlichtung und Anti-Aggressivitäts-Training sowie Mobbing-Telefone mit anonymer Beratung. „In der Klasse muss unsoziales Verhalten konsequent getadelt werden“, fordert er LehrerInnen auf, Mobber unter ständige Beobachtung zu stellen. Die Eltern müssten wiederum ihren Kindern aufmerksam zu hören und vertrauensvolle Gespräche führen.

Opfer sind nicht gewaltbereit

„90 Prozent der gemobbten Kinder zeigen keine direkte Gewaltbereitschaft“, weiß Dr. Christa Lopatka aus ihrer psychotherapeutischen Praxis in der Oststeiermark. Gestauter Zorn sei oft die Ursache für ständige Attacken gegen Mitschüler, erläutert die Ärztin, wie Täter ticken. Quälgeister lebten ein Allmachtsgefühl aus und müssten den Boss spielen, damit es ihnen gut gehe. Oft handelten Täter auch aus Langeweile, bei einem Schulwechsel suchen sich Mobber ein neues Opfer.

LehrerInnen machen mobil

Der stärkste Schutz für gehänselte Kinder seien Mitschüler, die ihnen den Rücken stärken. Als wichtigste Prävention sieht sie die Bildung von LehrerInnengruppen zur Anti-Mobbingarbeit. „Sagen Sie dem Opfer Hilfe zu und dokumentieren sie Mobbingaktionen.“ Schließlich müsse man die Täter zur Entschuldigung, Wiedergutmachung und Kontrollgespräche auffordern oder einen Schulverweis androhen. „Grundsätzlich sollten die Mobbber wechseln und nicht das gemobbte Kind“, unterstrich Lopatka.
(Referatsunterlagen in der Infobox)

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