Jung und Alt im Team halten

Gesund und produktiv älter werden im Betrieb ist möglich, versicherten die Sozialpartner bei einer gemeinsamen Veranstaltung zum Thema „Alternsgerechte Arbeitswelt“ im Grazer Kammersaal.

Da ein Drittel der Alterspensionisten den Ruhestand aus der Arbeitslosigkeit antritt, sind für AK-Präsident Walter Rotschädl dringend Maßnahmen notwendig, damit Beschäftigte möglichst lange auf ihrem Arbeitsplatz bleiben können.
WK-Präsident Ing. Josef Herk nannte in seinen Grußworten eine Erwerbsquote älterer Menschen von 50 Prozent als Ziel. Diese Quote liege derzeit bei nur 41,1 Prozent, wodurch eine wertvolle Ressource ungenützt bleibe.

Stärken wahrnehmen

Die Arbeitsfähigkeit bleibe dann erhalten, wenn sich der Einzelne am Arbeitsplatz wohl fühlt, meint die Unternehmensberaterin Mag. Brigitta Gruber. „Es kommt darauf an, Personen mit ihren Stärken wahrzunehmen und im Betrieb einzusetzen.“ Gibt es betriebliche Förderstrategien, steige die Bereitschaft, auch selbst etwas für den Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu tun.
Für eine alternsgerechte Arbeit braucht es eine strategische Personalentwicklung, meint Alexander Lechner (rechts im Bild), der als Ang.-BRV-Stv. der voestalpine Stahl Donawitz das firmeninterne MitarbeiterInnenprogramm LIFE vorstellte. Ziel sei die Entwicklung lebensphasengerechter Arbeitsplätze: „Gesunde Arbeitnehmer haben weniger Arbeitsunfälle“, hofft Lechner, dass die Invaliditätspension in der voest zurückgehen werde. (Referatsunterlagen der ExpertInnen in der Infobox)

Führungskräfte müssen mitziehen

Auf den Wissensaustausch von Alt zu Jung schwört Robert Slameczka, Geschäftsführer des Grazer Brandschutzunternehmens Noris (Foto oben Mitte), das mit dem Nestor-Preis für besondere Arbeitsbedingungen für ältere Arbeitnehmer ausgezeichnet wurde: Je nach Tätigkeit und individuellen Bedürfnissen könne das Aufgabengebiet der Beschäftigten mit dem Alter wechseln.

In der Diskussion wurde die Notwendigkeit individueller Anpassungen und die Leitfunktion der Unternehmer betont: „Ohne Führungskräfte geht’s nicht, um Jung und Alt im Team zu halten“. Schließlich unterstrich Brigitta Gruber, dass Wertschätzung und Anerkennung entscheidende Faktoren für (ältere) Mitarbeiter seien.

Mehr Arbeitspsychologen

In der abschließend von Claudia Gigler (Mitte) moderierten Sozialpartnerrunde gab sich Mag. Alice Kundtner (AK) überzeugt, viele ArbeitnehmerInnen würden länger arbeiten, wenn Arbeitsklima und gesundheitsfördernde Maßnahmen passen. „Nach einer deutschen Studie bringt ein Euro für betriebliche Gesundheitsförderung fünf Euro dem Unternehmen retour.“ Außerdem wünscht sie mehr Arbeitspsychologen in den Betrieben. Dr. Martin Gleitsmann (WKÖ, links) sieht im Einsatz älterer Arbeitnehmer einen künftigen Wettbewerbsvorteil aufgrund der demografischen Entwicklung.

Mikropausen für ältere Mitarbeiter

Mag. Bernhard Achitz (ÖGB, 2.v.l.) sprach sich für eine gesetzliche Regelung von Mindeststandards für ältere Arbeitnehmer aus, wie den Anspruch auf Mikropausen, Versetzen in andere Arbeitsbereiche oder Gesundheitsvorsorge. Für die Industriellenvereinigung urgierte Dr. Wolfgang Tritremmel, rechts oben („Wir brauchen die Best Agers, weil uns bald die Fachkräfte fehlen“), eine ergonomische Gestaltung der Arbeitsorganisation: „Die Arbeitsplätze sollen so sein, dass alle Altersgruppen produktiv tätig sein können.“

Video - Alternsgerechte Arbeit

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