Die Lehre braucht eine klare Perspektive
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Der Lehre einen besseren Stellenwert geben: Die AK-Jugendabteilung liefert dazu die brauchbare Munition anhand einer Lehrlingsstudie mit vielen aufschlussreichen Interviews.
Der Vorwurf aus Wirtschaftskreisen nach fehlender Mobilität junger Menschen gab die Initialzündung für eine Studie im Auftrag der AK-Jugend, die sich mit den Wünschen und Problemen von Lehrlingen befasst. Koordinator Klaus Breuss fand heraus, dass die Distanz zwischen Wohn- und Ausbildungsort nur eine geringe Rolle spielt: „Den Jugendlichen sind die konkreten Arbeitsbedingungen im Betrieb und das soziale Umfeld wichtiger.“ Gute Ausbildung, gutes Betriebsklima und guter Ruf der Firma sind die drei meistgenannten Punkte, wieso sich ein Lehrling für einen bestimmten Betrieb entscheidet.
Eltern bestimmen mit
Mehr als 80 Prozent der Lehrlinge stammen aus traditionellem „Arbeitermilieu“, Eltern beeinflussen auch häufig die Lehrplatzsuche. Jugendliche wollen unabhängig sein und über einen eigenen Lohn verfügen, sei der Grund für den Emanzipationsdrang der Pflichtschulabgänger. Die Wünsche sind durchaus nicht ausgefallen: „Lehrlinge wollen ein gutes Arbeitsklima, faire Behandlung durch
Vorgesetzte und eine gute Ausbildung, mit der sie auf dem Arbeitsmarkt bestehen können“, erklärt Breuss.
Problemzone Gastronomie
Die Leiterin der AK-Bildungs- und Jugendabteilung, Mag. Ursula Strohmayer, sieht Handlungsbedarf bei traditionellen
Lehrberufen. „Bei den FriseurInnen wird häufig über das Verrichten arbeitsferner Tätigkeiten und gesetzeswidriger Überstunden geklagt.“ Die Gastronomie erweist sich als echte Problembranche: Nur zehn Prozent der befragten Lehrlinge würden „auf jeden Fall“ im jetzigen Betrieb bleiben. Bei den Metallberufen neigen 93% zu einer Betriebstreue. Insgesamt wurden 376 Lehrlinge (Metall, Bau, Gastro und FriseurInnen) im Durchschnittsalter von 17 Jahren über ihre Erfahrungen in der Ausbildung befragt (die Studie „Mobilitäten von Lehrlingen in der Steiermark“ finden Sie in der Infobox)
Schweiz als Öffi--Vorbild
Bei einer Podiumsdiskussion in der Grazer Volkshochschule verlangte AK-Vizepräsident Fritz Ploner einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs für die Fahrten zum Ausbildungsplatz. Das Schweizer Vorbild, wonach Öffis von 5 bis 24 Uhr verkehren, sei leider in Österreich nur ein Wunschtraum.
Univ.-Prof. Dr. Johanna Rolshoven, unter deren Projektleitung Grazer Volkskunde-StudentInnen die Lehrlingsstudie erarbeiteten, betonte, dass die Interviews mit den Jugendlichen die Sinnhaftigkeit ihrer Handlungen aufzeigte. ÖGB-Bildungssekretär Breuss wünschte sich eine Auffrischung der Lehrlingsausbildung und individuelle Berufsorientierung. „Es werden noch immer zu viele Friseurinnen ausgebildet, die nach der Lehre vom AMS zu Regalbetreuerinnen umgeschult werden müssen.“ Außerdem seien die Gemeinden gefordert, damit die Lehre den jungen Menschen die Sicherheit biete, auch in der Region bleiben zu können.
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