"Mann der vielen Masken" in Graz
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Niemand hat mehr Missstände aufgedeckt als er. Undercover war er in der deutschen „Bild“, als Obdachloser oder als schwarzer Migrant unterwegs: Im Grazer Kammersaal gibt es am 21. Januar 2010 einen enthüllenden Abend mit Günter Wallraff.
Nach einer Pause von rund 20 Jahren ist der 1942 geborene Autor seit 2007 wieder als verdeckter Reporter unterwegs. „Ich werde gebraucht, die Zustände verlangen danach“, begründete er seine Rückkehr. Die Gesellschaft befinde sich „im freien Fall“.
Feldzug gegen schlechte Arbeitsbedingungen
In den 70-er und 80-er Jahren hatte er mit falscher Identität bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet und anschließend in Reportagen die schlechten Arbeitsbedingungen geschildert. Als schnurbärtiger türkischer Arbeiter Ali schleuste er sich bei Thyssen ein, bei der Bild-Zeitung sammelte er als Lokalreporter Hans Esser Material für seinen brisanten Report „Der Aufmacher“. Mit Industriereportagen etablierte Wallraff das Genre der Dokumentarliteratur in Deutschland. Immer behielt er dabei ein Ziel im Auge: Missstände aufdecken, Gerechtigkeit einfordern. Die Reihe seiner Inkognito-Ermittlungen ist lang: Als vermeintlicher Obdachloser hielt er sich in verschiedenen Asylunterkünften auf, als Alkoholiker ließ er sich in die Psychiatrie einweisen.
Billigbackwaren und schwarze Schminke
Seine jüngsten Aktionen: Wallraff arbeitete als Niedriglöhner in einer Fabrik, die Semmeln für einen Lebensmitteldiskonter backt; in zwei Callcentern erforschte er die umstrittenen Methoden von Telefontrupps, die Lotto-Systemscheine verkaufen. Und vor kurzem machte der „Mann der vielen Masken“ als Schwarzafrikaner Furore und stellte im Film „Schwarz auf Weiß“ deutsche Gastfreundschaft auf die Probe.
Wallraff am 21. Januar in Graz
Der „journalistische Zorro der Entrechteten und Deklassierten“ kommt am 21. Januar 2010 erstmals in den Grazer Kammersaal (Strauchergasse 32) auf Einladung der Arbeiterkammer in Kooperation mit SPÖ-Bildung Steiermark, Renner-Institut und Gesellschaft für Kulturpolitik: Beginn 19 Uhr. Der Auftritt des Enthüllungsjournalisten erfolgt bei freiem Eintritt.
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