Schilchers schlechtes Zeugnis für die Schule

Ideologische Positionen blockieren notwendige Veränderungen im Schulsystem, kritisierte ÖVP-Querdenker Bernd Schilcher bei der Vorstellung seines Buches „Bildung nervt!“ in der Grazer Arbeiterkammer.

„Seit 1774 haben wir einen frontalen Einheitsunterricht“, ätzt der Jurist und Universitätsprofessor, Ex- Präsident des steirischen Landesschulrates und Mitinitiator des Bildungsvolksbegehrens, über eine Schule, die Mittelmäßigkeit honoriere statt die Stärken der SchülerInnen zu pflegen. Schilcher prangert insbesondere die „Fehlerkultur“ an, die sich nur auf die Schwächen der Kinder konzentriere.

80% haben Ganztagsschule

Vehement sein Eintreten für eine ganztägige gemeinsame Schule der 10- bis 15-Jährigen: „80 Prozent der europäischen Länder haben Ganztagsschulen.“ Eine Ganztagsbetreuung allein habe „pädagogisch null Sinn“, wenn das Wichtige in den Vormittag gepresst und am Nachmittag nur „Freizeitpädagogik“ betrieben wird.

Sein Plädoyer für eine gemeinsame Schule entspringt dem Slogan der „Bildungsgerechtigkeit“: 1975 habe das Verhältnis der Schüler von bildungsfernen Vätern zu Akademikern nur 1:4 betragen, heute sei die Schere bereits auf 1:16 aufgegangen. Die Herkunft der Kinder wird vergessen, je länger Schüler zusammen sind. „Wir haben jeden Grund, unsere Bildung tiefgreifend zu verändern“, wenn man das Potenzial der bildungsfernen Schichten heben will. Denn das Schulsystem in Deutschland und Österreich diene vor allem dazu, die Klassen und Stände der Gesellschaft voneinander abzuschotten.

Frühförderung ausbauen

Eine akute Baustelle sei die „föderalistisch zersplitterte Frühförderung“, da jedes Bundesland was anderes mache. „Für die Ein- bis Dreijährigen haben wir viel zu wenig Angebot“. Generell sieht der Ex-Politiker in der Parteipolitik den größten Hemmschuh. „Wir sind das einzige Land der Welt, das per Verfassung eine parteipolitische Besetzung des Landesschulratskollegiums festlegt.“ Österreich leide an einer „strukturellen Feigheit“ („Was die Länder sagen, ist Dogma – daher geht nichts weiter“) und dem Fehlen einer Schulautonomie.

Für die Universitäten fordert Schilcher ein „Eingangsmanagement“ zur Regelung der Studentenströme. Studiengebühren bejaht der Bildungsexperte, „wenn man die Stipendien dramatisch erhöht“ und das Angebot an den Hochschulen verbessert.

Buchtipp: Bernd Schilcher: Bildung nervt! Warum unsere Kinder den Politikern egal sind. Ueberreuter, 206 Seiten, 19,95 Euro.

  • Drucken Weiterleiten | Mehr

Anfrage zum Artikel

*
*
*
*
*
*
*
*
*

1 + 4 =
*

Anfrage zum Artikel



Danke - Ihre Anfrage wurde weitergeleitet.
Univ.-Prof. Bernd Schilcher: Österreich leidet an einer strukturellen Feigheit..
Univ.-Prof. Bernd Schilcher: Österreich leidet an einer strukturellen Feigheit..
AK Steiermark
Hans-Resel-Gasse 8-14
8020 Graz
Tel: 05 7799 0
Fax: 05 7799 2387
E-Mail-Anfrage
Kontakt- & Beratungszeiten

Außenstellen
zur Bezirksstellenübersicht