Das AK-Burnout-Symposium stieß auf ein gewaltiges Publikumsinteresse: Rund 700 Besucher informierten sich bei Fachvorträgen und einer Publikumsdiskussion über die Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten dieser „Volkskrankheit“.
Gemeinsam war den in- und ausländischen ExpertInnen, dass sie Burnout zum einen als Problem weiter Teile der Bevölkerung sahen, und dass sie diese psychische Erkrankung als Ausdruck der vorgegebenen Strukturen und Einstellungen in Wirtschaft und Gesellschaft werteten. AK-Präsident Walter Rotschädl betonte, die Arbeiterkammer habe das Problem erkannt und zusätzlich zur bestehen Mobbingberatung eine Beratungsstelle für Burnout eingerichtet. Wer von Burnout betroffen ist, sich gefährdet fühlt oder nur Informationen darüber sucht, ist eingeladen, sich an die Beratungsstelle zu wenden. Für Betriebsräte stehen weitere Angebote wie Fachvorträge, Seminare und Workshops zur Verfügung.
Kein individuelles Problem
Prof. Rüdiger Trimpop betonte, man dürfe Burnout nicht als individuelles Problem sehen, sondern als Auswirkung der von der Großindustrie vorgegebenen funktionsorientierten Strukturen. Der Leiter des Lehrstuhls für Arbeitspsychologie an der Universität in Jena (BRD) belegte, dass psychische Faktoren wie Stress, Burnout oder fehlende Anerkennung bereits ebenso viele Fehlzeiten verursachen wie Krankheiten, nämlich 40 Prozent. Der Kostendruck in den Unternehmen führe dazu, dass mehr Arbeit von weniger Personal erledigt werden müsse. Gleichzeitig werde vielfach der persönliche Entscheidungsspielraum eingeengt, was enorm belaste.
In einem längerfristigen Prozess mit einer Vielzahl an Faktoren aus eigenem Verhalten, Arbeit, Familie und Gesellschaft als Ursache führe zu Burnout. Es stellen sich Symptome aus drei Gruppen ein: Müdigkeit und Erschöpfung, Depersonalisation und Zynismus, und Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung. Der Körper reagiere darauf mit einer Vielzahl an Leiden, bis schließlich eine tiefe innere Verzweiflung mit dem Gefühl völliger Hoffnungs- und Sinnlosigkeit eintrete und im Extremfall zum Selbstmord führe. Besonders betroffen sind Personen, die sehr idealistisch sind und neben ihrer Arbeit keinen anderen Lebensinhalten Bedeutung schenken, die ihre Zeit schlecht einteilen können, die Arbeit nicht an andere abgeben (können), die Warnsignale ihres Körpers verdrängen, oder die ein mangelndes Selbstwertgefühl haben.
Dr. Trimpop erklärte, man könne durch eigenes Verhalten Burnout entgegenwirken, etwa durch sportliche Betätigung, bewusste Ernährung oder durch Ansprechen von Problemen. In der Prävention sei aber das Augenmerk auf die Verhältnisse in den Betrieben zu legen: Ergonomie, Arbeitsabläufe, Pausen- und Zeitmanagement, Gesundheitsförderung und vieles mehr
(Vortrag in der Infobox).
Plädoyer für Power-Nap
Schlafforscher Univ.-Prof. Dr. Manfred Walzl (siehe Infobox) wies darauf hin, dass eines der Symptome von Burnout Schlafstörungen sind. Wer mit seinem beruflichen und privaten Leben nicht mehr zu Rande kommt, leide besonders unter Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Die Folgen sind eine massive Tagesmüdigkeit mit noch mehr Leistungsverlust und einer Steigerung der Unfall- und Fehlerhäufigkeit. Der Wissenschafter plädierte für eine Kultur des kurzen Mittagsschlafes, der einen Leistungsabfall verhindere und im englischen Raum deshalb Power-Nap genannt wird.
Preis und Wert
Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold, Vorstand des Instituts für Ethik an der Uni Graz, machte veränderte Werte für Burnout verantwortlich. Der Wert (des Menschen) sei in den Hintergrund getreten, während der Preis alles bestimme. Extremes Beispiel sei der Begriff des Shareholder-Value, der alles dem Wohl der Aktionäre eines Unternehmens unterstelle. Doch die Reduktion des Menschen auf einen ökonomischen Faktor sei ein Fehler und begünstige Phänomene wie Burnout. Er forderte mehr Solidarität in Arbeit und Freizeit ein, was aber nur bei Änderung der Strukturen gelingen könne.
Management gefordert
Zum Round-Table-Gespräch über Fragen aus dem Publikum stießen zu den Referenten der AK-Burnout-Berater Gerhard Plank und die Autorin eines Burnout-Buches, Mag. Gabriele Kypta. In der Diskussion ging es um die Frage, ob Burnout als Berufskrankheit anerkannt werden solle. Einerseits ja, sagten die Experten, um effektiver den einzelnen helfen zu können, andererseits nein, weil das Problem so auf eine persönliche Ebene gehoben werde und strukturelle Hilfe in den Hintergrund trete. Betont wurde mehrfach, dass besonders das mittlere Management gefordert sei, weil es oft selbst von Burnout betroffen sei und weil es unmittelbar mit den Problemen der Belegschaft konfrontiert werde. Mag. Kypta gab einer Wortmeldung Recht, dass besonders Frauen von Burnout betroffen seien, weil zu beruflicher Überforderung oft noch die Belastungen durch Haushalt und Kindern dazu kommen. In mehreren Statements aus dem Saal wurde auf die schwierige Lage des Gesundheits- und Pflegepersonals hingewiesen, weil in diesen Bereichen der Sparstift den Personalstand ausdünne und ständig erweiterte Dokumentationspflichten die MitarbeiterInnen überfordern.